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Wegweiser: Anlaufstellen bei Sex- und Pornosucht

Anlaufstellen in Deutschland - Stand: März 2026

Pressematerial zur freien redaktionellen Verwendung

Sofort-Hilfe & Krisenhotlines (bundesweit, kostenlos, anonym)
TelefonSeelsorge
0800 111 0 111
Evangelisch - 24/7, kostenfrei
0800 111 0 222
Katholisch - 24/7, kostenfrei
116 123
Bundeseinheitlich - 24/7, kostenfrei
Online-/Chat-/Mail-Beratung: telefonseelsorge.de
Nummer gegen Kummer e.V.
116 111
Kinder- & Jugendtelefon - Mo-Sa 14-20 Uhr
0800 111 0 550
Elterntelefon - Mo-Fr 9-17 Uhr, Di+Do bis 19 Uhr

2. Bundesweite Fachstellen

Zentrale Anlaufstellen, die beraten, vermitteln und das deutsche Suchthilfesystem koordinieren.

Organisation Webseite Kontakt Schwerpunkt
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) dhs.de +49 2381 9015-0
info@dhs.de
Dachverband der Suchthilfe, Suchthilfeverzeichnis, vom BMG gefördert
Fachverband Medienabhängigkeit e.V. fv-medienabhaengigkeit.de Kontakt via Web Spezialisiert auf Internet-, Gaming- und Pornosucht; Adressliste spezialisierter Kliniken
pro familia profamilia.de 069 26 95 77 90
kontakt@profamilia.de
Sexualberatung, ca. 200 Beratungsstellen bundesweit, explizit auch bei Pornografiekonsum
Return - Fachstelle Mediensucht Hannover return-mediensucht.de 0511 898 44 44
info@return-mediensucht.de
Älteste spezialisierte Fachstelle Deutschlands; Beratung, Diagnostik, Gruppenangebote

3. Selbsthilfe-Netzwerke (12-Schritte-Programme)

Alle drei Gruppen bieten Online-, Telefon- und Präsenz-Meetings in Deutschland an.

Gruppe Webseite Unterscheidungsmerkmal
Anonyme Sexaholiker (AS/SA) anonyme-sexsuechtige.de
Tel: +49 175 7925113
info@anonyme-sexsuechtige.de
Strikteste Nüchternheits-Definition: kein Sex außerhalb einer Ehe, keine Selbstbefriedigung. Klare Struktur für Menschen, die Eindeutigkeit suchen.
Sex Addicts Anonymous (SAA) saa-recovery.org Flexibler Ansatz: Jedes Mitglied definiert eigene Nüchternheit per „Drei-Kreise-Modell" (innerer/mittlerer/äußerer Kreis). Offen für alle Orientierungen.
S.L.A.A. (Anonyme Sex- und Liebessüchtige) slaa.de
Tel: +49 69 678 309 05 (Mailbox)
kontakt@slaa.de
Erweiterter Fokus: Sexsucht + Liebessucht + Co-Abhängigkeit + romantische Besessenheit. Ideal bei Verflechtung von Sex- und Beziehungsproblemen.

4. Therapeutensuche-Portale

Offizielle Verzeichnisse für approbierte Psychotherapeuten und Fachkliniken mit Kassenzulassung.

Portal URL Filter-Tipp für Journalisten & Betroffene
116117.de (KBV) 116117.de/de/arztsuche.php Offizielles Verzeichnis aller Kassenärzte. Filter: Fachgebiet - „Psychotherapeutische Medizin", Umkreissuche. Auch telefonisch: 116117.
Psych-Info (BDP) psych-info.de Detaillierte Beschwerdebild-Filter. Suche nach „(F64-66) sexuelle Verhaltensstörungen" für spezialisierte Therapeuten.
DPtV Therapeutensuche dptv.de/.../psychotherapeutensuche Größter Berufsverband. Filter nach Kassen-/Privatpraxis, Therapieverfahren und spezifischen Störungsbildern.
Fachverband Sucht+ e.V. sucht.de/einrichtungen
Tel: 0228 261555
info@fv-sucht.de
Klinik-Verzeichnis für stationäre/teilstationäre Behandlung. Filter: Indikation - „Pathologischer PC-/Internetgebrauch".

5. Regionale Landesstellen für Suchtfragen (16 Bundesländer)

Jede Landesstelle koordiniert lokale Beratungsstellen und kann an wohnortnahe Angebote vermitteln.

Bundesland Landesstelle Webseite Telefon
Baden-Württemberg Landesstelle für Suchtfragen BW e.V. lss-bw.de 0711 61967-12
Bayern Koordinierungsstelle der bayer. Suchthilfe (KBS) kbs-bayern.de 089 54497184
Berlin Landesstelle Berlin für Suchtfragen e.V. landesstelle-berlin.de 030 3438916-0
Brandenburg Brandenburgische Landesstelle für Suchtfragen (BLS) blsev.de 0331 581380-0
Bremen Bremische Landesstelle für Suchtfragen (BreLS) brels.de 0162 2627755
Hamburg Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) landesstelle-hamburg.de 040 30386555
Hessen Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) hls-online.org 069 71376777
Mecklenburg-Vorp. Landeskoordinierungsstelle Suchtthemen MV (LAKOST) lakost-mv.de 0385 7851561
Niedersachsen Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen (NLS) nls-online.de 0511 626266-0
Nordrhein-Westfalen Suchtkooperation NRW suchtkooperation.nrw 0221 809-7794
Rheinland-Pfalz Landesstelle für Suchtfragen Rheinland-Pfalz liga-rlp.de 06131 224608
Saarland Saarländische Landesstelle für Suchtfragen e.V. liga-saar.de 06841 934850
Sachsen Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren (SLS) slsev.de 0351 8045506
Sachsen-Anhalt Landesstelle für Suchtfragen Sachsen-Anhalt (LS-LSA) ls-suchtfragen-lsa.de 0391 5433818
Schleswig-Holstein Landesstelle für Suchtfragen SH (LSSH) lssh.de 0431 657394-40
Thüringen Thüringer Landesstelle für Suchtfragen (TLS) tls-suchtfragen.de 0361 34649-0

6. Beispiel-Beratungsstellen nach Bundesland

Regionale Anlaufstellen mit Erfahrung bei Pornosucht/Sexsucht. Kein vollständiges Verzeichnis - die zuständige Landesstelle (siehe oben) vermittelt weitere wohnortnahe Angebote.

Bundesland Beratungsstelle Kontakt Besonderheit
Baden-Württemberg Psychosoziale Beratungsstelle, Caritas Stuttgart 0711 248929-10
suchtberatung@caritas-stuttgart.de
Katharinenstr. 2b, 70182 Stuttgart
Bayern Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme Amberg 09621 4755-40
suchtambulanz@caritas-amberg.de
Dreifaltigkeitsstr. 3, 92224 Amberg - expliziter Schwerpunkt Pornosucht
Berlin Integrative Suchtberatung, Caritas Berlin-Mitte 030 666 33 400
suchtberatung-mitte@caritas-berlin.de
Große Hamburger Str. 18, 10115 Berlin
Brandenburg Ambulante Beratungsstelle, AWO Potsdam 0331 73040740 Großbeerenstr. 187, 14482 Potsdam
Bremen Fachambulanz Suchtprävention, Caritas Bremen 0421 33573-0 Georg-Gröning-Str. 55, 28209 Bremen
Hamburg Lukas Suchthilfezentrum, Diakonie Hamburg diakonie-hhsh.de Standorte Altona, Eimsbüttel - Medienabhängigkeit eingeschlossen
Hessen Sucht- und Drogenberatung, Caritas Fulda 0661 2428360
suchtberatung@caritas-fulda.de
Wilhelmstr. 10, 36037 Fulda
Mecklenburg-Vorp. Ev. Suchtkrankenhilfe Schwerin 0385 550 75 68
schwerin@suchthilfe-mv.de
Mecklenburgstr. 97, 19053 Schwerin
Niedersachsen Fachstelle Sucht, Diakonie Osnabrück 05461 88298-0
suchtberatungsstelle.de
Kirchhofstr. 6, 49565 Bramsche
Nordrhein-Westfalen Fachambulanz Suchtprävention, Caritas Münster 0251 53009-341
caritas-ms.de
Josefstr. 2, 48151 Münster
Rheinland-Pfalz Fachambulanz für Suchtkranke, Caritas Trier 0651 145395-0 Kutzbachstr. 15, 54290 Trier
Saarland Psychosoziale Beratungsstelle, Caritas Saarbrücken 0681 30906-50 Johannisstr. 2, 66111 Saarbrücken
Sachsen Suchtberatungsstelle, Stadtmission Chemnitz 0371 4950280
suchtberatung@stadtmission-chemnitz.de
Dresdner Str. 38b, 09130 Chemnitz
Sachsen-Anhalt Suchtberatung, Der Paritätische Magdeburg 0391 2536220
paritaet-lsa.de
Weidenstr. 6, 39114 Magdeburg
Schleswig-Holstein ATS Suchthilfezentrum Bad Segeberg 04551 84 35 8 Gartenstr. 17, 23795 Bad Segeberg - spezialisiert auf Medienabhängigkeit
Thüringen Psychosoziale Beratungsstelle, SiT gGmbH Erfurt 0361 2128080
sit-online.org
Löberstr. 37, 99096 Erfurt

7. Offizielle Informationsportale

Staatliche und unabhängige Portale mit evidenzbasierten Informationen.

Institution Webseite Schwerpunkt
Bundesministerium für Gesundheit (BMG) bundesgesundheitsministerium.de Sucht- und Drogenpolitik, Vier-Säulen-Modell der Suchtprävention
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, ehem. BZgA) bzga.de
liebesleben.de
Prävention, Gesundheitsaufklärung, Sexualaufklärung
gesundheitsinformation.de (IQWiG) gesundheitsinformation.de Unabhängiges, evidenzbasiertes Gesundheitsportal - wissenschaftlich geprüfte Informationen

8. FAQ für Journalisten

Ist Sex-/Pornosucht eine anerkannte Diagnose?

Ja. Die WHO hat 2019 in der ICD-11 die Diagnose „Compulsive Sexual Behaviour Disorder" (Zwanghafte Sexualverhaltensstörung) unter dem Code 6C72 eingeführt. Sie wird als Impulskontrollstörung klassifiziert. Deutschland wendet die ICD-11 seit 2022 offiziell an. Damit besteht ein klarer Anspruch auf professionelle Diagnostik und Behandlung. Im amerikanischen DSM-5 ist die Diagnose bisher nicht aufgenommen.

Wie viele Menschen sind in Deutschland betroffen?

Die GeSiD-Studie (2022) liefert erstmals repräsentative Daten für Deutschland:

Zeitraum Männer Frauen
Letzte 12 Monate 3,2 % 1,8 %
Lebenszeit 4,9 % 3,0 %

Hochgerechnet sind das ca. 500.000 bis 1 Million Betroffene allein bei Pornosucht (Männer). Internationale Schätzungen liegen bei 3-10 % der Männer und 2-7 % der Frauen. Die Dunkelziffer ist hoch, da Scham viele davon abhält, Hilfe zu suchen.

Übernimmt die Krankenkasse die Therapiekosten?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Wird die Therapie von einer approbierten Psychotherapeutin oder einem approbierten ärztlichen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung durchgeführt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten. Erstattungsfähige Verfahren:

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) - am häufigsten eingesetzt
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Stationäre Suchttherapie in Fachkliniken

Nicht-kassenzugelassene Angebote (Coaching, spezialisierte Online-Programme) werden nicht erstattet, bieten dafür keine Wartezeiten und keinen Eintrag in der Krankenakte.

Was unterscheidet hohe Libido von Sucht?

Die ICD-11 definiert drei Kernkriterien, die mindestens 6 Monate bestehen müssen:

  • Kontrollverlust: Das sexuelle Verhalten kann trotz wiederholter Versuche nicht gesteuert werden.
  • Leidensdruck: Es entstehen negative Konsequenzen in Beziehung, Beruf oder Gesundheit.
  • Fortführung trotz Schaden: Das Verhalten wird beibehalten, obwohl es erkennbar schadet.

Die Häufigkeit allein ist kein Diagnosekriterium. Eine hohe Libido ohne Leidensdruck ist keine Störung.

Ab wann spricht man von Sucht?

Typische Warnsignale, die auf eine Störung hindeuten:

  • Häufigeres Nachdenken über das Thema als gewünscht
  • Misslungene Versuche zu reduzieren oder aufzuhören
  • Beeinträchtigung von Selbstwertgefühl, Konzentration oder Beziehungen
  • Scham, Ekel oder Reue nach dem Konsum
  • Verheimlichung vor Partner/Partnerin oder Umfeld
  • Steigerung der Intensität oder Häufigkeit, um denselben Effekt zu erzielen (Toleranzentwicklung)

Eine Diagnose nach ICD-11 erfordert, dass die Symptome über mindestens 6 Monate bestehen und in mehreren Lebensbereichen funktionelle Beeinträchtigung verursachen.

Welche Therapieformen gibt es?

Therapieform Evidenz Kassenleistung Wartezeit
Ambulante Psychotherapie (KVT, tiefenpsychologisch) Gut belegt Ja Durchschnittlich 5 Monate
Stationäre Suchttherapie Belegt Ja Wochen bis Monate
Selbsthilfegruppen (12-Schritte) Langzeiterfahrung Kostenfrei Keine
Online-Programme mit Begleitung Wachsend Nein (Selbstzahler) Keine

Quellen: Metaanalyse Universität Heidelberg (2022), Deutsche Suchthilfestatistik (2023), European Journal of Digital Health Interventions (2023). Ergänzend werden teils Medikamente eingesetzt (SSRI, Naltrexon).

Wie lange dauert eine Behandlung?

  • Erste Verbesserungen: 2-4 Wochen nach Beginn der Abstinenz
  • Intensivphase: 3-6 Monate (bei den meisten Therapieformen)
  • Neuroplastische Regeneration: 3-12 Monate für umfassende Erholung neuronaler Strukturen
  • Nachsorge/Stabilisierung: Begleitend oft 1-2 Jahre (Selbsthilfegruppen, Rückfallprävention)

Rückfälle sind Teil des Prozesses und kein Scheitern. Sie liefern wichtige Erkenntnisse über individuelle Auslöser und unerfüllte Bedürfnisse.

Gibt es Studien zur Wirksamkeit?

Die Forschungslage hat sich seit der ICD-11-Aufnahme (2019) deutlich verbessert:

  • Gola et al. (2016): Neurobiologische Grundlagen - Belohnungssystem reagiert bei Betroffenen ähnlich wie bei Substanzabhängigen
  • Ballester-Arnal et al. (2020): Epidemiologische Daten zur Verbreitung zwanghaften Sexualverhaltens
  • Stark et al. (2024): Aktuelle Forschung zu Behandlungsansätzen
  • GeSiD-Studie (2022): Erste repräsentative Prävalenzdaten für Deutschland
  • Metaanalyse Universität Heidelberg (2022): Wirksamkeit ambulanter Psychotherapie bei Verhaltenssüchten

Die AWMF arbeitet an S3-Leitlinien für die Diagnostik und Behandlung zwanghafter Sexualverhaltensstörungen. Alle genannten Studien sind über PubMed zugänglich.

Was unterscheidet die drei Selbsthilfe-Gruppen?

  • AS/SA: Strikteste Nüchternheits-Definition (kein Sex außerhalb einer Ehe, keine Selbstbefriedigung).
  • SAA: Individuell definierte Nüchternheit per „Drei-Kreise-Modell". Offen für alle Orientierungen.
  • S.L.A.A.: Erweiterter Fokus auf Liebessucht, Co-Abhängigkeit und Bindungsmuster.

Alle drei Gruppen bieten Online-, Telefon- und Präsenz-Meetings in Deutschland an. Die Teilnahme ist kostenfrei und anonym.

Können Partner/Angehörige einbezogen werden?

Ja. Die Auswirkungen auf das Beziehungsleben sind oft erheblich. Folgende Optionen bestehen:

  • Paartherapie: Wird von den meisten Therapeuten mit Kassenzulassung angeboten
  • Angehörigen-Gruppen: S.L.A.A. und andere Programme bieten Formate speziell für Partner
  • Informationsseiten: freivonx.de/sexsucht-partnerschaft-angehoerige

9. Quellenverzeichnis