Pornosucht und Sexsucht als schwuler Mann ueberwinden: Ein Weg zu Freiheit und echten Verbindungen

Inhaltsverzeichnis

Wenn du diese Zeilen hier liest, dann vermutlich, weil ein Teil von dir etwas spuert:

Trotz der kurzfristigen Befriedigung und des Kicks stimmt etwas nicht.

Vielleicht siehst du die Pornos, die genau das darstellen, was du dir schon immer vorgestellt hast.

Oder du lebst dich frei aus.

Hast so viel sexuelle Kontakte wie noch nie.

Aber das dumpfe Gefuehl nagt weiter an dir.

Die Realisierung bleibt:

Der Konsum von Pornos, Webcam-Chats oder die staendige Suche nach sexuellen Begegnungen nimmt mehr von dir, als er dir gibt.

Vielleicht ist es ein leises Gefuehl gewesen, eine wachsende Unruhe, die sich immer deutlicher bemerkbar macht.

Du investierst vielleicht Unmengen an Zeit, vielleicht auch Geld und Energie in Webcam Chats, pornografische Inhalte und OnlyFans.

Und das moeglicherweise schon seit Jahren, obwohl du dich eigentlich immer einsamer und unbefriedigter fuehlst.

Persoenliche und berufliche Projekte leiden.

Du spuerst Abstumpfung, innere Leere.

Dein Sozialleben, deine Beziehungen, deine Gesundheit – vieles scheint darunter zu leiden.

Und das Schwierigste: Obwohl du das alles beobachten kannst, machst du immer weiter und hast das Gefuehl, nicht damit aufhoeren zu koennen.

Wenn die Frage in dir laut wird: „Also, wie kann ich diese Sucht besiegen, spezifisch wenn ich homosexuell bin?“, dann soll dieser Artikel dir eine Orientierung und konkrete Ansatzpunkte bieten.

Denn ja, es gibt Besonderheiten, die es zu beruecksichtigen gilt, und Erkenntnisse, die dir auf deinem Weg helfen koennen.

Der Wunsch nach Schutz - Eine tiefere Betrachtung

Woher koennte dieses ausgepragte Beduerfnis nach einem geschuetzten Raum fuer Sexualitaet, das oft hinter suechtigen Mustern steckt, eigentlich kommen?

Nicht wenige homosexuelle Maenner haben in ihrer Vergangenheit aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Anfeindung und Verurteilung erlebt.

Das tiefe Beduerfnis, wirklich zu sich stehen zu koennen und sich frei als der Mensch auszuleben, der du bist, musste moeglicherweise lange Zeit unterdrueckt werden.

Diese langjaehrige Unterdrueckung kann manchmal zu einer fast schon ueberschiessenden Reaktion im spaeteren Leben fuehren.

Es kann sein, dass dann eine Phase der Hypersexualitaet gelebt wird, die unter Umstaenden auch in eine Form der Sexsucht muenden kann.

Es ist, als ob das lange unterdrueckte Beduerfnis nach Bestaetigung, Freiheit und Erleben jetzt mit aller Macht nachgeholt und kompensiert werden soll.

Hinzu kommt, dass Sex fuer homosexuelle Maenner in manchen Kontexten grundsaetzlich leichter oder schneller zugaenglich sein kann als fuer heterosexuelle Maenner.

Gleichzeitig ist es eine Realitaet, dass du dich als Mann, der Sex mit Maennern hat, koerperlich bedingt in der direkten sexuellen Begegnung mitunter groesseren physischen Risiken aussetzen kannst.

Diese beiden Aspekte – einerseits das erhoehte physische Risiko und andererseits die vielleicht noch nicht verheilten emotionalen Wunden aus frueheren Zurueckweisungen – koennen ebenfalls zu einer Form der Ueberkompensation beitragen.

Es ist ein Versuch, ein inneres Ungleichgewicht auszugleichen.

Eine moegliche Folge davon ist dann, dass Sexualitaet vorwiegend anonym und emotional eher verschlossen oder distanziert gelebt wird – eine Schutzstrategie, die jedoch die tiefere Sehnsucht oft unerfuellt laesst.

Das Dilemma mit dem Bildschirm: Schutzschild und Gefaengnis zugleich

Ausgehend von diesen moeglichen Hintergruenden wird verstaendlicher, warum fuer viele Maenner, die mit Pornos oder Livecams kaempfen, der Bildschirm eine so zentrale Rolle spielt:

Sie verlagern ihre emotionalen und sexuellen Beduerfnisse in eine Welt, in der sie dieser Bildschirm scheinbar schuetzt.

Das mag zunaechst nicht offensichtlich klingen.

Aber wenn wir in eine Pornowelt eintauchen, eine virtuelle Realitaet, in der bestimmte Beduerfnisse scheinbar befriedigt werden, nutzen wir unbewusst einen Sicherungsmechanismus.

Dieser Bildschirm trennt uns von den Menschen, die uns bei der Beduerfnisbefriedigung im realen Leben helfen koennten.

Er schafft eine Distanz, die kurzfristig Sicherheit suggeriert.

Gerade als homosexueller Mann, der – wie eben besprochen – moeglicherweise spezifische Verletzlichkeiten und Risiken erlebt hat oder wahrnimmt, kann dieser digitale Schutzmechanismus besonders relevant erscheinen.

Die bereits erwaehnte Tatsache, dass du dich koerperlich verletzlicher fuehlen koenntest, verstaerkt moeglicherweise die Attraktivitaet dieser scheinbar risikofreien Zone.

Es koennen virtuell Dinge geschehen, die du in der Realitaet fuerchtest, und das Ganze ohne die direkten emotionalen oder physischen Konsequenzen.

Das sind wichtige Unterschiede.

Diese Komponente des emotionalen Schutzes ist paradox, aber haeufig bei Maennern, die sich an uns wenden.

Deshalb muessen wir eine Sexsucht bzw. Pornosucht bei homosexuellen Maennern anders behandeln als bei heterosexuellen Maennern.

Schritt 1: Verstehe, was du wirklich suchst - Ohne Selbstverurteilung

Der erste und vielleicht entscheidendste Schritt auf dem Weg zur Veraenderung ist, genau in den sogenannten Raum der Pornografie hineinzugehen und dort ehrlich zu beobachten.

Es geht nicht darum, dich im bekannten Tunnel zu verlieren und das Dopamin durch den Koerper rauschen zu lassen.

Dies schraenkt deine Faehigkeit sehr ein, die Wahrheit zu sehen.

Sondern in deiner Vorstellung bewusst einen Schritt zurueckzutreten, dich von aussen zu beobachten: Sprich, dich von dieser Situation zu deidentifizieren.

Stelle dir dabei – ganz ohne Urteil oder Wertung – folgende Fragen:

  • Welche spezifischen sexuellen Beduerfnisse befriedige ich da, geschuetzt durch den Bildschirm? Hinter dem Bildschirm fuehlst du dich vielleicht frei, sicher und kannst deinen Beduerfnissen scheinbar ungefiltert und ungehindert nachgehen.
  • Welchen emotionalen Beduerfnissen komme ich auf diese Weise nach? Vielleicht findest du eine kurzfristige Entspannung oder eine beruhigende Wirkung. Es kann das truegerische Gefuehl von Geborgenheit sein, das Gefuehl, angenommen zu werden, vielleicht sogar bewundert zu werden. Dir wird gespiegelt, dass du sexuell attraktiv bist, und du erfaehrst die Illusion: Ich werde nicht abgelehnt.

Ein haeufiger Fehler ist es, dieses Verhalten und die damit verbundenen Beduerfnisse sofort zu verurteilen, es so schnell wie moeglich wegbekommen zu wollen und sich gar nicht gross damit beschaeftigen zu wollen.

Viele Maenner gehen sehr unbewusst in diese Rueckfallmomente rein und kommen dadurch jahrelang, manchmal jahrzehntelang, einfach nicht weiter.

Finde genau heraus, auch und gerade mit der Spezifika der Homosexualitaet, was genau findet dort statt, wenn du einen Rueckfall hast.

Das ist der Schluessel, um die wahre Ursache der Pornosucht bzw. Sexsucht zu finden, und sie damit auch loesen zu koennen.

Schritt 2: Was moechte ich als homosexueller Mann auf der Beziehungs-Ebene wirklich?

Fuer homosexuelle Maenner ist es oft sehr schwer, einen anderen Mann kennenzulernen, ohne dass es von Anfang an in die sexuelle Richtung geht.

Dadurch wird es natuerlich auch sehr schwierig, eine tiefere Beziehung aufzubauen, die nicht nur aufgrund von Oberflaechlichkeiten existiert.

Was moechte ich wirklich?

Definiere fuer dich als Mann, was du eigentlich wirklich moechtest.

Vielleicht gibt es eine Stimme in deinem Kopf, die sagt: „Hey, ich bin einfach ein sexueller Typ, das ist einfach so.“

Es kann aber auch sein, dass du dir im Grunde etwas Tieferes wuenscht, einen Menschen an deiner Seite, der dich wirklich liebt fuer dein Inneres und nicht nur fuer dein Aeusseres.

Schritt 3: Betaeube ich Emotionen durch Sex?

Analysiere ehrlich: Kommt der Drang zur Sexualitaet nur von aussen, oder gibt es da auch eine innerliche Stimme, die durch Sexualitaet versucht, andere Emotionen zu stillen?

Kaempfst du vielleicht mit Einsamkeit? Das Gegenteil von Einsamkeit ist Geborgenheit. Und diese Geborgenheit, die finden wir teilweise fuer einen kurzen Zeitraum in der Sexualitaet oder eben auch in der Pornografie.

Das zugrundeliegende Problem: Diese Geborgenheit ist aber nicht von Dauer. Sexualitaet allein kann dieses tiefe emotionale Beduerfnis nicht nachhaltig stillen.

Danach bleibt dann haeufig dieses schlechte, dieses leere Gefuehl, vielleicht sogar ein Gefuehl von Reue und Scham zurueck. Das ruehrt oft daher, dass du versucht hast, dein emotionales Beduerfnis mit Sexualitaet zu befriedigen, was langfristig nicht funktioniert.

Stelle dir die Frage: Was suche ich eigentlich gerade wirklich in der Sexualitaet? Ist es wirklich nur ein ausgepraegter Sexualtrieb, oder ist es vielleicht etwas Tieferes, das dahintersteckt?

Sobald du das fuer dich klarer hast, kannst du eine gesuendere Art und Weise entwickeln, wie du dieses Beduerfnis im realen Leben fuer dich befriedigen kannst, sodass es dir danach nicht schlecht, sondern langfristig besser geht.

Schritt 4: Der Uebergang in die echte Welt - Und die Loesung deiner inneren Vorbehalte

Wenn du besser verstehst, was du im Raum der Pornografie suchst, geht es im naechsten Schritt darum, das, was du dort heimlich auslebst, sozusagen in die echte Welt zu uebertragen.

Aber Achtung, dies bedeutet nicht, dich einfach zusammenzureissen und dich kopfueber ins Getuemmel zu stuerzen.

Vielmehr geht es darum, ehrlich hinzuschauen: Was sind meine Einwaende, was sind meine Vorbehalte dagegen, dass ich das aktuell nicht in der echten Welt – auch emotional in Beziehungen auslebe?

Denn wenn du es schon koenntest, haettest du es vermutlich schon getan. Irgendetwas haelt dich zurueck.

Und diese Gedanken oder Vorbehalte – „Ich koennte z.B. verletzt werden“ – die sind auch real.

Wahrscheinlich hast du in der Vergangenheit bereits Versuche unternommen, und dabei sind bestimmte Ereignisse passiert, die diese Vorbehalte genaehrt und verfestigt haben.

Diese Vorbehalte sind oft in spezifischen Situationen entstanden.

Wenn wir juenger sind, vielleicht noch als Kind, beziehen wir das, was passiert, zu 100% auf uns selber.

Entsteht da ein Glaubenssatz wie „Alle Maenner sind so“?

Als erwachsener Mensch bist du eingeladen, wieder testweise in die echte Welt zu gehen und die Welt sozusagen neu zu erforschen und zu fragen: Stimmt das wirklich so, was ich damals geglaubt habe?

Dies ist ein sehr behutsamer Prozess der Neukalibrierung.

Schritt 5: Erste Offline-Versuche wagen

Jetzt wird es konkret:

Distanziere dich fuer eine Zeit lang von Online Dating Apps, insbesondere von Apps wie Grindr, ueber die viele homosexuelle Maenner die meisten ihrer Bekanntschaften machen.

Erwaege andere Wege: Cafes, Interessengruppen, Sportgruppen, vielleicht sogar Bibliotheken – Orte, wo du Maenner auf eine natuerlichere Art und Weise kennenlernen kannst, bei denen nicht von vornherein nur die Sexualitaet im Vordergrund steht.

Lerne Menschen kennen ueber eine freundschaftliche Art und Weise.

Egal, was daraus wird – dadurch kannst du dich daran herantasten, dich emotional zu oeffnen – ohne Hintergedanken.

Vielleicht hilft es dir zu sagen, dass die Moeglichkeit fuer Sex nur ein paar Klicks entfernt ist.

Aber du moechtest diesen „Offline“-Weg mal fuer ein paar Wochen testen.

Schritt 6: Finde deine Nische, entfalte deine Freiheit

Es ist deine Aufgabe als erwachsener Mensch, deine Nische oder dein Milieu zu finden, wo du leben kannst, so wie du wirklich bist.

Gehe testweise deinen Beduerfnissen in der echten Welt nach – vielleicht dem Beduerfnis nach Abenteuer, aber gleichzeitig spuerst du die Angst, verletzt oder verurteilt zu werden.

Wenn du dir das Gefuehl von Freiheit wuenscht und diese Beduerfnisse testweise in die Welt da draussen bringst, wirst du feststellen:

Zwar stimmt in manchen Situationen der alte Vorbehalt, in anderen Situationen aber nicht.

Wenn du das kannst und tust, dann wird auch das Verlangen, in dieses Gefaengnis der Pornos und Livecams wieder reinzugehen, natuerlich viel geringer werden.

Weil du anfaengst zu merken: Die Welt da draussen ist viel schoener, und die Welt der Pornos ist nur ein billiger Ersatz.

Ich kann als ganzer Mensch sein wie ich bin – in der echten Welt.

Welchen Grund sollte es dann noch geben, mich zu verstecken?

Sei es hinter dem Bildschirm oder durch auf die Koerperlichkeit beschraenkte sexuelle Kontakte?

Schritt 7: Lerne, dich selbst zu fuehren - Werde dein eigener starker Begleiter

Damit du aus der engen Welt der Pornos in die weite, echte Welt gehen und dort so sein kannst, wie du wirklich bist, ist es essenziell, dass du lernst, dich selbst zu fuehren.

Viele Maenner stehen vor dem Problem, dass sie nicht in der Lage sind, sich sozusagen bildlich gesprochen selbst an die Hand zu nehmen und zu sagen: „Komm, wir gehen jetzt mal dahin und schauen uns das an.“

Woran liegt das oft? Daran, dass sie sich nicht selber achtsam beobachten koennen, manchmal komplett mit ihrem verletzten kindlichen Ich identifiziert sind.

Sich selbst fuehren zu koennen, ist ein elementar wichtiger Schritt, um Klarheit darueber zu gewinnen, was in diesem Raum der Pornografie genau vor sich geht, und dann diese Tests, diese wertvollen Experimente in der echten Welt schrittweise und achtsam zu machen.

Sich selbst fuehren zu koennen, ist ein Teil der ursaechlichen Loesung einer Pornosucht / Sexsucht und deshalb auch elementarer Bestandteil der FreiVonX Pornosucht / Sexsucht Therapie.

Schritt 8: Der praktische Weg nach vorn: Vom Erkennen zum bewussten Handeln

All diese Schritte fuehren dazu, dass du dich selbst mehr annimmst und dich selbst mehr liebst.

Darum geht es am Ende.

Und wenn du selbst zu einem volleren und liebenderen Mann geworden bist, der sich vor allen Dingen selbst lieben und annehmen kann, dann kannst du auch authentisch nach aussen gehen und wirst einen Partner finden, der wirklich zu dir passt.

Wenn du selber schon emotional „voll“ bist und einen anderen Menschen triffst, der ebenfalls emotional gefestigt ist, koennt ihr beide zusammen etwas Schoenes erschaffen – eine liebevolle, tiefe Beziehung.

Erinnere dich an den Schritt 5 der Veraenderung: Welche Orte suche ich dafuer auf?

Mache deine Erfahrungen in der realen Welt auf eine gesunde, bewusste Art und Weise.

Wenn du feststellst, dass du immer wieder nach sexuellen Erfahrungen suchst, obwohl du dir eigentlich was Tieferes wuenscht, und dich dann immer wieder hinterfragst:

„Was ist da eigentlich gerade passiert? Warum bin ich wirklich schon wieder in diese Situation gegangen?“, dann ist es entscheidend, hier den richtigen Schritt zur Veraenderung zu machen.

So wirst du langfristig den Partner an deiner Seite haben, den du dir wirklich wuenscht.

Du bist mit diesem Thema nicht allein - Es gibt einen Weg hinaus

Vielleicht haben dich einige dieser Punkte tief angesprochen. Das ist ein wichtiger erster Schritt der Selbsterkenntnis.

Die hier beschriebenen Erkenntnisse und Schritte sind als eine Art Landkarte zu verstehen.

Fuer dich persoenlich kann der Weg im Detail noch einmal anders aussehen.

Wenn du spuerst, dass du auf diesem anspruchsvollen Weg Unterstuetzung moechtest, um einen individuellen Schritt-fuer-Schritt-Befreiungsplan zu erarbeiten, dann scheue dich nicht, dir diese Hilfe zu suchen.

Manchmal braucht es den objektiven Blick von aussen und jemanden, der einem den Mut gibt, die notwendigen Schritte auch wirklich umzusetzen und das Vorgehen immer wieder an die spezifische Alltagssituation anzupassen.

Wisse, du kannst es schaffen.

Finde heraus, was du wirklich suchst.

Stelle dich deinen Aengsten und Vorbehalten und beginne, dir ein Leben aufzubauen, das dir wirklich entspricht.

Ein Leben, in dem Pornos und Sexsucht nicht laenger den Ton angeben, weil die Realitaet und echte Verbindungen so viel erfuellender sind.

Ich wuensche dir von Herzen viel Kraft und Erfolg auf deinem Weg, alles Gute und eine baldige, porno- und suchtfreie Zeit!

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FAQ - Haeufig gestellte Fragen

Warum fuehle ich mich trotz vieler sexueller Kontakte oder intensivem Pornokonsum oft einsam und unbefriedigt?

Sexuelle Handlungen und intensiver Pornokonsum koennen Versuche sein, tiefere emotionale und sexuelle Beduerfnisse – wie das Verlangen nach Naehe, Bestaetigung oder Geborgenheit – zu befriedigen. Diese grundlegenden Beduerfnisse lassen sich jedoch durch rein koerperliche oder virtuelle Erlebnisse meist nicht nachhaltig stillen. Der Bildschirm oder anonyme Kontakte moegen eine kurzfristige Ablenkung oder einen Kick bieten, doch die zugrundeliegende Einsamkeit oder innere Leere bleibt oft unberuehrt, was langfristig zu Frustration und Abstumpfung fuehren kann.

Welche Rolle spielt meine Vergangenheit, z.B. erlebte Diskriminierung, bei meiner heutigen Sexualitaet und moeglichen Suchtmustern?

Erfahrungen mit Anfeindung, Verurteilung oder der Notwendigkeit, die eigene sexuelle Orientierung lange zu unterdruecken, koennen praegend sein und ein erhoehtes Schutzbeduerfnis erzeugen. Spaetere Hypersexualitaet oder suechtige Verhaltensmuster koennen dann eine unbewusste Kompensationsreaktion darstellen: ein Versuch, jahrelang unterdrueckte Beduerfnisse nach Freiheit, intensivem Erleben und Anerkennung „nachzuholen“ oder fruehere emotionale Verletzungen auszugleichen. Dies zu erkennen, hilft, die eigenen Verhaltensweisen und deren Urspruenge besser einzuordnen.

Wieso wird der Bildschirm (Pornos, Chats) fuer viele zu einem Schutzschild?

Der Bildschirm bietet eine scheinbar sichere Distanz zur Realitaet und zu echten zwischenmenschlichen Begegnungen. Fuer homosexuelle Maenner, die moeglicherweise Verletzlichkeit oder Zurueckweisung in direkten Kontakten fuerchten – sei es aufgrund frueherer negativer Erfahrungen oder wahrgenommener physischer Risiken – kann die virtuelle Welt als geschuetzter Raum erscheinen. Dort lassen sich Fantasien ausleben und Beduerfnisse scheinbar ohne direkte emotionale oder physische Konsequenzen befriedigen. Dieser „Schutz“ ist jedoch oft truegerisch und kann bestehende Isolationstendenzen sogar noch verstaerken.

Was ist der erste und wichtigste Schritt, um aus einer Pornosucht oder Sexsucht auszubrechen?

Ein entscheidender erster Schritt ist die ehrliche und urteilsfreie Selbstbeobachtung. Es geht darum, bewusst die Situationen des Suchtverhaltens oder den „Raum der Pornografie“ zu analysieren und sich zu fragen: Welche spezifischen sexuellen und vor allem emotionalen Beduerfnisse versuche ich hier eigentlich zu befriedigen? Dieses tiefere Verstaendnis fuer die eigenen Motive ist der Schluessel, um die wahren Ursachen der Sucht zu erkennen und alternative, gesuendere Wege zu finden, diese Beduerfnisse im realen Leben zu erfuellen.

Wie kann ich als homosexueller Mann tiefere Beziehungen aufbauen, die nicht nur auf Sex basieren?

Zunaechst ist es hilfreich, die eigenen Beziehungswuensche klar zu definieren und ehrlich zu hinterfragen, ob sexuelle Begegnungen moeglicherweise dazu dienen, andere Emotionen zu ueberdecken oder echte Naehe zu vermeiden. Ein konkreter Schritt kann sein, sich von reinen Sex-Dating-Apps bewusst eine Zeit lang zu distanzieren. Stattdessen koennen Orte aufgesucht werden (z.B. Hobbygruppen, Cafes, Vereine), an denen Begegnungen primaer auf freundschaftlicher oder interessenbasierter Ebene entstehen. Ziel ist es, sich emotional zu oeffnen und Menschen kennenzulernen, ohne dass die Sexualitaet von Beginn an im Vordergrund steht.

Quellenangaben

Die im Artikel besprochenen Themen werden in der wissenschaftlichen Literatur intensiv erforscht. Die folgenden Quellen bieten einen tieferen Einblick in spezifische Aspekte aus wissenschaftlicher Sicht:

  1. Hightower-Weidman, L. B., LeGrand, S., Choi, S. K., Egger, J. R., Rybak, P., & Reiter, P. L. (2022). Estimated Prevalence and Demographic Correlates of Compulsive Sexual Behavior Among Gay Men in the United States. The Journal of Sexual Medicine, 19(1), 87–95. PMID: 34391663
    (Diese Studie untersucht die Praevalenz und demografische Korrelate von zwanghaftem Sexualverhalten bei schwulen Maennern in den USA.)
  2. Pachankis, J. E., Hatzenbuehler, M. L., Rendina, H. J., Safren, S. A., & Parsons, J. T. (2015). A Minority Stress–Emotion Regulation Model of Sexual Compulsivity among Highly Sexually Active Gay and Bisexual Men. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 83(5), 829–843. PMCID: PMC4476950
    (Dieser Artikel stellt ein Modell vor, das sexuelle Zwanghaftigkeit bei schwulen und bisexuellen Maennern im Kontext von Minderheitenstress und Emotionsregulation betrachtet – sehr relevant fuer das im Blogartikel diskutierte Thema der Kompensation von Diskriminierungserfahrungen.)
  3. Daskalov, G. D., & Stoyanova, S. S. (2024). Examination of Gender Differences in Depression, Relationship Satisfaction, and Problematic Pornography Use Among Romanian Gay Men and Lesbian Women. Sexuality & Culture, 28(2), 859–878. PMCID: PMC11008547
    (Diese Studie untersucht unter anderem problematisches Pornonutzungsverhalten bei rumaenischen schwulen Maennern im Zusammenhang mit Depression und Beziehungszufriedenheit, was die Verbindung von emotionalem Wohlbefinden und Pornokonsum beleuchtet.)
  4. Krueger, L., Pfister, V.R., Eder, A.E.S., & Mikolasek, M. (2024). Problematic online dating app use and its association with mental and sexual health outcomes in a sample of Men-having-Sex-with-Men. Current Psychology. Published online: 07 May 2024. DOI: 10.1007/s11469-024-00299-7
    (Diese aktuelle Studie untersucht den problematischen Gebrauch von Online-Dating-Apps bei Maennern, die Sex mit Maennern haben, und dessen Zusammenhang mit psychischer und sexueller Gesundheit – relevant fuer den im Blogartikel erwaehnten Aspekt der Dating-App-Nutzung.)
  5. Kumar, A., Kumar, P., Singh, T., & Garg, R. (2023). Physiological, Psychosocial and Substance Abuse Effects of Pornography Addiction: A Narrative Review. Cureus, 15(2), e34881. PMCID: PMC9922938
    (Dieser Review-Artikel gibt einen allgemeinen Ueberblick ueber die physiologischen, psychosozialen Auswirkungen von Pornografiesucht und kann als Hintergrundliteratur zum Suchtaspekt dienen.)

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