90 Tage Pornografie-Entzug: Verlauf, Flatline und was die Wissenschaft wirklich sagt

INTERNER LEITFADEN

Warum Willenskraft nicht reicht.

Der kostenlose Blueprint zeigt dir den Weg raus.

Tag einundzwanzig.

Der Start liegt weit hinten, das Ziel ist nicht in Sicht.

Kein Wind, keine Bewegung, nur graue See in alle Richtungen.

Genau hier drehen die meisten um.

Dabei ist die windstille Zone kein Zeichen, dass die Überfahrt gescheitert ist. Sie steht in jeder Seekarte.

Ein 90-Tage-Entzug von Pornografie, oft „Reboot“ genannt, ist der Versuch, die eigene sexuelle Reizverarbeitung wieder auf natürliche Stimulation umzustellen.

Der Verlauf folgt bei vielen einem Muster: erst überraschende Energie und Klarheit, nach ein bis drei Wochen ein Tief mit starkem Verlangen, Reizbarkeit und Schlafproblemen.

Zwischen Woche zwei und acht taucht bei einem Teil die „Flatline“ auf: gedämpftes Verlangen, wenig sexuelle Energie, ein normaler Teil der Umstellung.

Ab etwa Woche sechs bis zwölf berichten viele von stabilerer Stimmung, klarerer Motivation und zurückkehrender natürlicher Erregung.

Wichtig vorweg: Die 90 Tage sind kein magischer Schwellenwert, sondern eine bewährte Orientierungsstrecke.

Wie schnell und wie stark sich etwas verändert, ist individuell und hängt von Dauer und Intensität der bisherigen Nutzung, vom Alter und von deiner sonstigen Lebenssituation ab.

Dieser Artikel zeigt dir den typischen Verlauf, ein realistisches Protokoll und was die Forschung tatsächlich sagt und was nicht. (Imhoff & Zimmer 2020)

Hinweis: Dieser Text ist eine Orientierungshilfe, keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei starkem Leidensdruck, Depression oder Zwang gehört die Begleitung in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.

Warum überhaupt 90 Tage? Die Idee hinter dem Reboot

Der Begriff „Reboot“ stammt nicht aus der Wissenschaft, sondern aus Online-Communities, in denen sich Betroffene über ihre Erfahrungen austauschen.

Die Grundidee dahinter ist einfach: Wer über Jahre sehr häufig und mit ständig neuen, hochintensiven Reizen konsumiert hat, hat sein Belohnungssystem an ein Reizniveau gewöhnt, das reale Intimität kaum noch erreicht.

Eine längere Pause soll dem Gehirn Zeit geben, sich wieder auf normale Reize einzustellen.

Die Zahl 90 hat sich eingebürgert, weil viele Menschen berichten, dass sich sichtbare Veränderungen erst nach mehreren Wochen stabilisieren. Sie ist ein Richtwert, kein Naturgesetz.

Manche brauchen kürzer, manche länger, und für manche ist eine dauerhafte, bewusste Neugestaltung des Umgangs sinnvoller als ein fixes Zieldatum.

Der Verlauf Woche für Woche: ein realistisches Protokoll

Die folgende Zeitleiste beschreibt ein häufiges Muster. Sie ist ausdrücklich kein Versprechen. Manche Phasen überlappen, manche fallen aus, und die Reihenfolge kann sich verschieben.

Tag 1 bis 7: Der klare Start

Viele erleben die erste Woche als überraschend leicht.

Der Entschluss ist frisch, die Motivation hoch, und nicht selten berichten Menschen von mehr Energie, besserem Fokus und einem Gefühl, „endlich etwas zu tun“.

Gleichzeitig tauchen die ersten starken Impulse auf, meist ausgelöst durch gewohnte Situationen: abends allein, am Handy, bei Langeweile oder Stress.

Was hilft: Die eigenen Auslöser kennen und die Umgebung entschärfen. Handy aus dem Schlafzimmer, klare Wenn-dann-Pläne („Wenn ich abends den Drang spüre, dann gehe ich raus / rufe jemanden an“).

Woche 2 bis 3: Das erste Tief

Hier kippt bei vielen die Stimmung. Der anfängliche Schwung lässt nach, das Verlangen wird intensiver und körperlicher.

Typisch sind Reizbarkeit, innere Unruhe, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen und ein diffuses Unwohlsein.

Diese Phase ähnelt dem, was man von anderen Gewohnheitsänderungen kennt: Der alte Bewältigungsmechanismus fällt weg, ein neuer ist noch nicht da.

Was hilft: Verstehen, dass Unruhe ein Zeichen der Umstellung ist, nicht des Scheiterns. Bewegung, Schlafhygiene und echte soziale Kontakte tragen hier mehr als jede Willenskraft-Anstrengung.

Woche 2 bis 8: Die Flatline

Die „Flatline“ ist die Phase, die am meisten verunsichert, die windstille Zone mitten auf der Überfahrt.

Statt starkem Verlangen kommt bei einem Teil der Betroffenen das Gegenteil: kaum Libido, wenig sexuelle Energie, manchmal das Gefühl, „gar nichts“ zu spüren.

Genau hier drehen viele um, weil sie die Flaute für Schiffbruch halten.

In einer qualitativen Analyse von Abstinenz-Tagebüchern aus einem Online-Reboot-Forum beschrieb rund ein Drittel der Nutzer eine solche Phase verminderten Verlangens während der Abstinenz (Fernandez et al., 2021, Archives of Sexual Behavior).

Die Flatline gilt in diesen Erfahrungsberichten als vorübergehend. Wie lange sie dauert, ist sehr unterschiedlich, in vielen Berichten liegt sie im Bereich von einigen Wochen.

Was hilft: Die Flatline nicht als Rückschlag deuten und nicht in Panik „testen“, ob noch alles funktioniert. Geduld ist hier die eigentliche Übung.

Woche 4 bis 8: Stabilisierung

Bei vielen beginnt sich das Bild in diesem Zeitraum zu drehen. Die Stimmungsschwankungen werden flacher, der Schlaf verbessert sich, und das Verlangen taucht seltener und weniger überwältigend auf.

Interessant ist, dass viele Betroffene nach einigen Wochen von einem spürbaren Wendepunkt berichten, ähnlich wie bei anderen Gewohnheits- und Suchtmustern.

Das passt zu vielen Reboot-Berichten, auch wenn beides nicht dasselbe ist.

Woche 8 bis 12: Neue Normalität

In der letzten Etappe berichten viele von zurückkehrender natürlicher Erregung, klarerer Motivation und einem veränderten Verhältnis zum eigenen Handy- und Medienkonsum.

Reize aus dem echten Leben, Blickkontakt, Nähe, Berührung, fühlen sich wieder relevanter an. Das ist der Punkt, an dem aus einem „Verzicht“ eine neue Gewohnheit werden kann.

Wie sich dieser Gewinn anfühlt, beschreiben viele ähnlich. Ein Betroffener erinnert sich:

Ich habe auch öfters mal so eine Woche durchgehalten und da habe ich schon gemerkt, dass ich dann viel fokussierter bin, mehr Energie habe. Ich hatte mehr Lust, irgendwie den Tag zu starten, ich habe besser geschlafen. Ich war viel produktiver als sonst.

Wichtig: Ein einzelner Ausrutscher wirft den gesamten Prozess nicht auf null zurück. Entscheidend ist die Gesamtrichtung über Wochen, nicht die perfekte Serie.

Ich habe es 29 Tage geschafft, also kein Pornokonsum und auch Nofap. Gar nichts. Dann hatte ich einen Rückfall, habe fünf, sechs, sieben Mal wieder Pornos geschaut und dazu masturbiert. Danach habe ich es nochmals 21 Tage geschafft, dann wieder einen Rückfall.

So unperfekt sieht ein echter Verlauf oft aus, und genau das ist normal.

Der wissenschaftliche Hintergrund: was gesichert ist und was nicht

Hier lohnt sich Ehrlichkeit, denn zu diesem Thema kursieren viele stark vereinfachte Behauptungen. Der seriöse Stand lässt sich in drei Bausteine fassen.

1. Neuroplastizität: Das Gehirn verändert sich in beide Richtungen

Neuroplastizität bezeichnet die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrung umzubauen. Genau der Mechanismus, mit dem sich das Belohnungssystem an häufigen, intensiven Konsum anpasst, ermöglicht auch die Rückanpassung an normale Reize.

Das ist der eigentliche, gut belegte Kern der Reboot-Idee: Gewohnheiten sind keine feste Verdrahtung, sondern veränderbar.

2. Dopamin und Downregulation: die plausible Modellvorstellung

Das gängige Erklärungsmodell lautet: Wird das Belohnungssystem wiederholt mit sehr hohen Dopamin-Ausschüttungen überflutet, reagiert das Gehirn mit einer Herunterregulierung, etwa einer verringerten Empfindlichkeit oder Dichte von Dopamin-Rezeptoren (besonders des D2-Typs).

Alltagsreize wirken dann blasser, es braucht mehr Reiz für denselben Effekt.

Eine einflussreiche Übersichtsarbeit hat diese Parallelen zwischen Internet-Pornografie und anderen Suchtmustern zusammengetragen (Love et al., 2015, „Neuroscience of Internet Pornography Addiction: A Review and Update“, Behavioral Sciences).

Ebenfalls oft zitiert wird die Rolle des Proteins DeltaFosB, das sich bei chronischer Stimulation im Belohnungssystem anreichert und langsamer abgebaut wird als andere Marker (Nestler, 2008, „Transcriptional Mechanisms of Addiction: Role of DeltaFosB“, Philosophical Transactions of the Royal Society B). Das liefert eine Erklärung dafür, warum sich Verbesserungen nicht über Nacht, sondern über Wochen einstellen.

3. Die ehrliche Einschränkung: die Datenlage ist gemischt

Und jetzt der Teil, den viele Ratgeber verschweigen: Die Befunde sind nicht eindeutig.

Es gibt Studien, die bei Personen mit zwanghaftem Pornografiekonsum keine signifikant verringerte Verfügbarkeit der D2/D3-Rezeptoren fanden (z. B. eine Bildgebungsstudie, veröffentlicht 2021).

Andere Autoren argumentieren, dass die vorhandene Forschung die Behauptung von „Hirnschäden“ durch Pornografie nicht trägt. Kurz: Dass sich Verhalten und Erleben durch einen Entzug verändern, ist unstrittig.

Die genauen neurobiologischen Mechanismen sind aber noch nicht abschließend geklärt.

Was heißt das praktisch? Du brauchst die Rezeptor-Debatte nicht gewonnen zu haben, um von einer Pause zu profitieren.

Der Nutzen zeigt sich im Erleben: mehr Kontrolle über die eigene Aufmerksamkeit, weniger automatisiertes Konsumieren, wieder mehr Empfindsamkeit für echte Nähe.

Was die Abstinenzforschung wirklich zeigt

Über die Neuroplastizität hinaus gibt es inzwischen echte Abstinenz-Experimente, und ihre Ergebnisse sind nüchterner, als die Reboot-Szene verspricht.

In einer kontrollierten Studie blieben 176 regelmäßige Nutzer per Zufall sieben Tage abstinent oder nicht. Der Unterschied bei Verlangen und Stimmung: praktisch keiner (Fernandez et al. 2023). Ein klassischer Entzug, wie ihn viele erwarten, blieb in dieser nicht-klinischen Gruppe aus.

Auch längere Trends halten der Prüfung kaum stand.

Eine Untersuchung zum populären No Nut November mit über 400 Teilnehmenden fand nach der Abstinenzphase weder einen klaren Nutzen noch einen Schaden für das sexuelle Wohlbefinden (Garas et al. 2025).

Eine kleine Feldstudie mit nur 21 Männern berichtete zwar weniger Müdigkeit und mehr Selbstkontrolle nach drei Wochen Pause (Straub und Schmidt 2022), ist wegen der winzigen Stichprobe aber nur ein vorsichtiger Hinweis, keine harte Evidenz.

Interessant ist die Lücke zwischen Erleben und Messung. Qualitative Studien zeigen, dass Menschen Abstinenz subjektiv oft als lohnend und verändernd beschreiben (Fernandez et al. 2021, Ince et al. 2023), während kontrollierte Messungen diese Effekte kaum abbilden.

Beides ist wahr: Das Erleben ist echt, aber es ist nicht der automatische biologische Reset, als der der Reboot manchmal verkauft wird.

Was bedeutet das für deine Überfahrt? Die Kalenderzahl repariert nichts von selbst, weder in 7 noch in 30 noch in 90 Tagen.

Was Menschen in ihren Berichten dennoch als Gewinn erleben, mehr Klarheit, weniger automatisches Konsumieren, mehr Empfindsamkeit für echte Nähe, entsteht nicht durch das bloße Verstreichen der Zeit, sondern durch die Verhaltensänderung dahinter.

Warum das Gehirn dabei nichts falsch macht, vertieft der Artikel Du bist nicht kaputt, und wie sich die verunsichernde windstille Phase erklärt, der Artikel zur Flatline.

Das ist keine Absage an die Pause, im Gegenteil.

Es verschiebt nur den Maßstab: Nicht die Zahl auf dem Kalender entscheidet über den Erfolg, sondern was du in dieser Zeit an neuer Gewohnheit anlegst.

Eine Überfahrt gelingt nicht, weil man 90 Tage zählt, sondern weil man in diesen 90 Tagen segeln lernt.

Wem eine Pause am meisten bringt, ist außerdem höchst unterschiedlich.

Wer wenig und unproblematisch konsumiert, wird kaum einen dramatischen Effekt spüren, während jemand mit stark eingeschliffenem, täglichem Muster den Unterschied deutlicher merkt (Imhoff und Zimmer 2020).

Genau deshalb ist der 90-Tage-Rahmen für manche zu kurz, für andere fast überflüssig, und für viele eher ein Startpunkt für einen dauerhaft veränderten Umgang als ein Ziel mit Schlussdatum.

Häufige Fehler, die den Verlauf schwerer machen

  • Perfektionismus. Wer jeden Ausrutscher als Totalversagen wertet, gibt schneller auf. Rückschläge sind Datenpunkte, keine Urteile.
  • Die Flatline „wegtesten“. Der Versuch, in der flauen Phase ständig zu prüfen, ob noch alles klappt, erzeugt Druck und verlängert die Verunsicherung.
  • Nur verzichten, nichts ersetzen. Ein Reboot ist kein Loch, in das man springt, sondern ein Umbau. Der freie Raum will mit echten Reizen gefüllt werden: Bewegung, Menschen, Aufgaben, Schlaf.
  • Alles allein mit Willenskraft. Willenskraft ist erschöpfbar. Struktur (Umgebung entschärfen, Auslöser meiden, feste Ersatzhandlungen) trägt weiter.
  • Scham als Antrieb nutzen. Selbstverachtung befeuert den Kreislauf oft, statt ihn zu lösen. Ein freundlicher, klarer Umgang mit sich selbst hält länger durch.

Was einen Rückfall wahrscheinlich macht

Wer die Überfahrt schaffen will, sollte wissen, welche Wetter kippen. Der beste Vorhersagewert ist dabei nicht die Stärke des Verlangens, sondern seine Dynamik.

In der Suchtforschung sagte ein langsamerer Rückgang des Verlangens in den ersten Tagen und Wochen einen späteren Rückfall voraus, teils noch Jahre danach (Baillet et al. 2024).

Übersetzt: Nicht dass du Verlangen hast, ist das Problem, sondern ob es mit der Zeit abklingt oder hängen bleibt.

Die Auslöser sind komplexer, als das einfache Bild vermuten lässt. Die verbreitete Annahme, negative Gefühle würden das Verlangen automatisch hochtreiben, ließ sich nicht bestätigen.

In einer Studie sank das Verlangen nach einem belastenden Reiz sogar (Sassover et al. 2024).

Und wie stark das Thema den Kopf beherrscht, hängt eher mit stärkerem sexuellem Antrieb zusammen als mit Schwäche (Glica et al. 2023).

Ein Rückfall ist also selten nur schlechtes Stimmungsmanagement.

Der am besten replizierte Schutzfaktor hat einen Namen: Selbstwirksamkeit, das Zutrauen, die eigenen Strategien tatsächlich umsetzen zu können (Bandura 1977).

Bei Pornografie-Nutzern hängt höhere Selbstwirksamkeit mit selteneren Konsum zusammen (Kraus et al. 2015), und im klassischen Rückfall-Modell entscheidet genau sie, ob ein einzelner Ausrutscher ein Ausrutscher bleibt oder zur vollen Kehrtwende wird.

Selbstwirksamkeit ist dabei nichts Angeborenes, sondern etwas Baubares.

Sie wächst mit kleinen, eingehaltenen Vorsätzen, mit einer entschärften Umgebung, in der der alte Automatismus schwerer greift, und mit konkreten Wenn-dann-Plänen für die typischen Auslöser.

Jeder überstandene Impuls ist dann kein bloßes Durchhalten, sondern ein Beleg an dich selbst, dass du das Ruder hältst.

Genau diese Belege summieren sich zu dem Zutrauen, das über die längere Strecke trägt.

Und wenn es doch passiert? Ein Rückfall ist im Bild der Überfahrt kein Schiffbruch, sondern eine Böe.

Entscheidend ist nicht die makellose Serie, sondern die Gesamtrichtung über Wochen.

Wer nach einem Ausrutscher die auslösende Situation nüchtern anschaut und entschärft, statt in Scham zu versinken, kommt gestärkt weiter, denn Selbstverachtung ist selbst einer der zuverlässigsten Rückfall-Treiber.

Konkrete Leitplanken dafür bieten die 10 Gebote der Pornofreiheit.

Dein nächster Schritt

Du willst herausfinden, ob dich dein Konsum schon fester im Griff hat, als dir lieb ist? Mach den kostenfreien, anonymen Selbsttest, drei Minuten: Sexsucht-Test starten

Du willst in zwanzig Minuten Klarheit über deinen Weg raus? Sprich kostenfrei, anonym und unverbindlich mit einem Spezialisten: Freiheitsgespräch buchen

Du willst den ganzen Weg raus auf einen Blick sehen? Der kostenlose FreiVonX-Blueprint zeigt dir Schritt für Schritt, wie Veränderung gelingt: Blueprint holen

Häufige Fragen

Sind die 90 Tage wissenschaftlich festgelegt?

Nein. Die 90 Tage sind ein Orientierungswert aus Erfahrungsberichten, kein in Studien definierter Schwellenwert. Sie geben eine sinnvolle Strecke vor, mehr nicht.

Ist die Flatline gefährlich?

Nach den vorliegenden Erfahrungsberichten ist sie eine vorübergehende Phase der Umstellung. Wenn allerdings anhaltende körperliche Beschwerden, eine Depression oder starker Leidensdruck dazukommen, gehört das ärztlich abgeklärt.

Was, wenn ich einen Rückfall habe?

Ein einzelner Rückfall macht den Fortschritt der letzten Wochen nicht ungeschehen. Entscheidend ist die Richtung über die Zeit. Schau dir an, welche Situation den Rückfall ausgelöst hat, und entschärfe sie.

Muss ich auch auf Sex und Selbstbefriedigung verzichten?

Die Communities handhaben das unterschiedlich. Manche unterscheiden zwischen dem Verzicht auf Pornografie und dem Verzicht auf jede sexuelle Aktivität.

Der gemeinsame Kern der meisten Ansätze ist der Verzicht auf den künstlichen, überdrehten Reiz, nicht auf reale Sexualität.

Wann sollte ich mir Hilfe holen?

Wenn der Konsum trotz ernsthafter Versuche nicht steuerbar ist, wenn er dein Leben, deine Beziehungen oder deine Arbeit deutlich beeinträchtigt, oder wenn Depression, Angst oder Zwang im Spiel sind. Dann ist professionelle Begleitung der richtige Weg.

Fazit

Ein 90-Tage-Entzug ist kein Schalter, den man umlegt, sondern eine Überfahrt mit vorhersehbaren Wettern: der klare Start, das erste Tief, die windstille Flatline und die schrittweise Stabilisierung.

Wissenschaftlich gut abgesichert ist vor allem die Neuroplastizität, also die Fähigkeit deines Gehirns, sich neu einzustellen. Die genauen Dopamin-Mechanismen sind plausibel modelliert, aber noch nicht endgültig geklärt.

Das ist kein Grund, an Land zu bleiben, sondern ein Grund, den eigenen Fortschritt am gelebten Erleben zu messen und nicht an einer Theorie. Die Flaute steht in der Seekarte.

Du bist nicht vom Kurs ab, wenn kein Wind geht.

Wenn du tiefer einsteigen willst, findest du auf freivonx.de weiterführende Artikel zu den einzelnen Phasen, etwa zur Flatline und zum Umgang mit Rückfällen.

Wissenschaftliche Quellen

  1. Fernandez, D. P., Kuss, D. J., Griffiths, M. D. (2021): The Pornography „Rebooting“ Experience: A Qualitative Analysis of Abstinence Journals on an Online Pornography Abstinence Forum. Archives of Sexual Behavior
  2. Love, T., Laier, C., Brand, M., Hatch, L., Hajela, R. (2015): Neuroscience of Internet Pornography Addiction: A Review and Update. Behavioral Sciences
  3. Stormezand, G. N., Doorduin, J., Chaves, L. T., et al. (2021). No evidence for decreased D2/3 receptor availability and frontal hypoperfusion in subjects with compulsive pornography use. Psychiatry Research: Neuroimaging, 311, 111284. PubMed: 33774451
  4. Reid, R. C., Carpenter, B. N., & Fong, T. W. (2011). Neuroscience research fails to support claims that excessive pornography consumption causes brain damage. Surgical Neurology International, 2, 64. PubMed: 21697978
  5. Twohig & Crosby (2010): Acceptance and Commitment Therapy bei problematischem Pornokonsum
  6. Fernandez et al. (2023): 7-Day Pornography Abstinence and Withdrawal Symptoms (RCT)
  7. Zimmer & Imhoff (2020): Abstinence from Masturbation and Hypersexuality
  8. Imhoff & Zimmer (2020): Men’s Reasons to Abstain May Not Reflect Reboot-Website Claims
  9. Brand et al. (2016): Interaction of Person-Affect-Cognition-Execution (I-PACE)
  10. Gola et al. (2017): Can Pornography Be Addictive? An fMRI Study
  11. Antons & Brand (2020): Inhibitory Control and Problematic Pornography Use
  12. Chen et al. (2024): Problematic Pornography Use and Escalating Use (Network Analysis)
  13. Negash et al. (2016): Pornography Consumption and Delay Discounting
  14. Kraus et al. (2018): Compulsive Sexual Behaviour Disorder in the ICD-11 (World Psychiatry)
  15. Hilton DL (2013): Pornography addiction, a supranormal stimulus considered in the context of neuroplasticity. Socioaffective Neuroscience & Psychology
  16. Nestler, E. J., Barrot, M., & Self, D. W. (2001). DeltaFosB: A sustained molecular switch for addiction. Proceedings of the National Academy of Sciences, 98(20), 11042-11046. PubMed: 11572966
  17. Nestler, E. J. (2008). Review. Transcriptional mechanisms of addiction: role of DeltaFosB. Philosophical Transactions of the Royal Society B, 363(1507), 3245-3255. PubMed: 18640924
  18. de Alarcón, R., de la Iglesia, J. I., Casado, N. M., & Montejo, A. L. (2019). Online Porn Addiction: What We Know and What We Don’t, A Systematic Review. Journal of Clinical Medicine, 8(1), 91. PubMed: 30650522
  19. Kraus, Voon & Potenza (2016): Should Compulsive Sexual Behavior Be Considered an Addiction?
  20. Klucken et al. (2016): Altered Appetitive Conditioning in Compulsive Sexual Behavior
  21. Park et al. (2016): Is Internet Pornography Causing Sexual Dysfunctions? (Review + Fallberichte)
  22. Volkow, N. D., Koob, G. F., & McLellan, A. T. (2016). Neurobiologic Advances from the Brain Disease Model of Addiction. The New England Journal of Medicine, 374(4), 363-371. PubMed: 26816013
  23. Garas M, Levang SL, Pukall CF (2025): No Nut November, Temporary Abstinence, and Sexual Wellbeing. Journal of Sexual Medicine
  24. Straub, J., & Schmidt, C. (2022). A Period of Abstinence from Masturbation and Pornography Leads to Lower Fatigue and Various Other Benefits: A Quantitative Study (kleine Stichprobe). Journal of Addiction Science, 8(1). doi:10.17756/jas.2022-056
  25. Baillet E, Auriacombe M, Romao C, et al. (2024): Craving Changes in First 14 Days of Addiction Treatment, An Outcome Predictor of 5 Years Substance Use Status? Translational Psychiatry
  26. Sassover E, Kushnir T, Weinstein AM (2024): Investigating Mood-Modification, Withdrawal, and Sensitization in Compulsive Sexual Behaviour. Frontiers in Psychiatry
  27. Glica A, Wizla M, Gola M, Lewczuk K (2023): Hypo- or Hyperfunction? Differential Relationships Between Compulsive Sexual Behavior Disorder Facets and Sexual Health. Journal of Sexual Medicine
  28. Kraus SW, Rosenberg H, Tompsett CJ (2015): Assessment of Self-Efficacy to Employ Self-Initiated Pornography Use-Reduction Strategies. Addictive Behaviors
  29. Bandura A (1977): Self-Efficacy, Toward a Unifying Theory of Behavioral Change. Psychological Review
  30. Ince C, Fontenelle LF, Carter A, et al. (2023): Clarifying and Extending Our Understanding of Problematic Pornography Use Through Descriptions of the Lived Experience. Scientific Reports